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Was ist ein Holzschnitt? Erklärung eines Holzschnitt-Künstlers

  • 9. Sept. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Sept. 2025

Was genau ist eigentlich ein Holzschnitt? Vielleicht hast du den Begriff irgendwo gehört, oder sollst dich für die Schule oder Uni damit beschäftigen, hast aber noch keine Ahnung, was es damit auf sich hat?


In diesem Beitrag beantworte ich dir alle wichtigen Fragen rund um den Holzschnitt. Du bekommst dabei die Perspektive eines Künstlers, dessen Haupttechnik dieses Medium ist. Dich erwartet also keine langweilige Lektion, sondern eine kurze Vorstellung von jemandem, der sich täglich mit dieser Kunstform beschäftigt.


Handgemachter Holzschnitt mit schwarzer Figur, Druckplatte und Schnitzwerkzeugen
Druckstock, Holzschnitt-Abzug und Werkzeuge

Inhaltsverzeichnis



Die einfache Definition: Was ist ein Holzschnitt?

Der Holzschnitt ist ein Druckverfahren, bei dem ein Motiv in die Oberfläche eines Holzblocks geschnitzt wird und anschließend von diesem Holzblock auf Papier gedruckt wird.


Theoretisch war’s das. Aber natürlich steckt viel mehr dahinter, als diese kurze Definition vermuten lässt.



Wie entsteht ein Holzschnitt?

Um das Druckmotiv in den Holzblock zu bekommen, werden scharfe Werkzeuge benötigt. Der Holzblock, auch Druckstock genannt, wird mit Schneidemessern, Stemmeisen, Hohlbeiteln oder anderen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet.


Traditionelle Holzschnitt-Werkzeuge in Holzkasten: Schneidemesser, Stemmeisen und Beitel
Holzschnitt-Werkzeuge

Das Holz, das vom Druckstock abgetragen wird, wird am Ende nicht mitgedruckt. An dieser Stelle bleibt das Papier also weiß. Im Prinzip ist ein Holzschnitt ein selbst geschnitzter Stempel, mit dem du eine Abbildung immer wieder erneut drucken kannst. Dabei setzt sich das Motiv nur aus dem Schwarz der Druckfarbe und dem Weiß des Papiers zusammen.


Das Motiv muss aber nicht immer auf Papier gedruckt werden. Ich habe beispielsweise damit angefangen, meine Holzschnitt-Motive auch auf T-Shirts zu drucken, um die Kunstwerke tragbar zu machen.



Woher kommt der Holzschnitt?

Die Technik gelangte um 1400 nach Europa und wurde zunächst in Deutschland, den Nachbarländern Frankreich und den Niederlanden für Illustrationen in Büchern und Schriften eingesetzt. So konnten neben Wörtern auch Abbildungen dargestellt werden, die das Geschriebene veranschaulichten. In manchen Fällen wurden Text und Bild sogar beide aus einem einzigen Holzblock geschnitzt.



Wer waren berühmte Holzschnitt-Künstler?

Auch wenn die Grundidee des Druckens mit Holz in China entstand, so waren es doch vor allem die deutschen Künstler, die dieses Verfahren verstanden künstlerisch einzusetzen und dadurch bekannt machten.


Albrecht Dürer

Historisch betrachtet ist der berühmteste deutsche Künstler, bei dem diese Drucktechnik einen großen Teil seines Gesamtwerkes ausgemacht hat, Albrecht Dürer. Er schuf etwa um die 246 Holzschnitte und schaffte es bereits während seiner Lebenszeit von 1471 bis 1528, ein anerkannter Künstler zu werden. Geholfen dabei haben ihm zum großen Teil seine Holzschnitte.


Albrecht Dürer Holzschnitt mit Landschaftsszene, Renaissance-Drucktechnik mit feinen Linien und Schraffuren
Holzschnitt: "Das Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien" Albrecht Dürer 1498

Der Holzschnitt ermöglichte es, Kunst, die zu großen Teilen nur aus teuren Gemälden bestand, der allgemeinen Bevölkerung zugänglich zu machen. Da die Motive sehr häufig gedruckt werden konnten, konnten sie günstig und weit verbreitet werden.


Der Expressionismus: Revolution in Schwarz und Weiß

Einen zweiten Aufschwung erhielt die Holzschnittkunst während der Zeit des Expressionismus. Vor allem die Künstler der Brücke, zu ihnen gehörten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, nutzten diese Technik ausgiebig für ihre neue Kunstrichtung.


Aber auch andere Künstler wie Franz Marc, Wilhelm Morgner und Käthe Kollwitz waren ebenfalls begnadet im Umgang mit dem Holzschnitt und schufen eigenständige Bilderwelten, die mich bis heute inspirieren.


Sie entfernten sich jedoch von den Darstellungen und der Bildsprache bekannter Vorgänger und ließen die Idee des Expressionismus in die Drucktechnik einfließen.



In meinen Augen war das der entscheidende Schritt für diese Kunstform. Jeder Künstler schaffte es, seine eigene Sprache mit dem Holzdruck umzusetzen und zeigte das vollständige Potenzial dieser Ausdrucksform.



Gibt es heute noch Holzschnitt-Künstler?

Meiner Meinung nach ist diese Kunstform sehr unterschätzt und erhält innerhalb der zeitgenössischen Kunst zu wenig Aufmerksamkeit. Das ist schade, denn gerade in unserer digitalisierten Zeit bietet der Holzschnitt etwas, was viele andere Techniken nicht können.


Der Holzschnitt als Gegenpol zur digitalen Welt

Der Holzschnitt steht heute vor allem für drei Dinge: Entschleunigung, Handwerk und Einzigartigkeit. Während digitale Kunstwerke mit einem Klick kopiert werden, trägt jeder Holzschnitt die individuellen Spuren des Holzes und der Hand des Künstlers.


Der langsame Schnitzprozess fördert die Konzentration und bewegt zum bewussten Gestalten. Auch wenn das gedruckte Motiv immer dasselbe ist, so unterscheidet sich jeder Druck dennoch voneinander. Er ist abhängig davon, wie viel Farbe genutzt wird, wie gleichmäßig der Druckstock damit benetzt wurde und wie viel Kraft beim Druckprozess aufgewendet wurde. So wird jeder Druck dennoch einzigartig.


In einer Welt voller bunter Bildschirme und ständiger visueller Reizüberflutung wirkt die radikale Reduktion auf Schwarz und Weiß wie ein Widerstand. Diese Klarheit und Direktheit macht Holzschnitte zu einem kraftvollen Gegenpol zur digitalen Bilderflut. 



Warum ich vom Holzschnitt fasziniert bin

Wahrscheinlich ist meine Leidenschaft für diese Drucktechnik durch den vorherigen Text schon spürbar geworden. Der Holzdruck hat mich nach dem ersten Kontakt direkt gefesselt. Zu sehen, wie mit einfachsten Mitteln und der Beschränkung auf Schwarz und Weiß so einzigartig ausdrucksstarke Werke entstehen konnten, hatte mich fasziniert und motiviert, es selbst auszuprobieren.


Sammlung moderner Holzschnitte an Atelierwand, zeitgenössische Druckgrafik in Schwarz-Weiß
Holzschnitte aus meinem Atelier

Diese Kunstform bietet einen ganz eigenständigen Schaffensprozess, der sich von anderen Techniken unterscheidet und unglaublich individuell gestaltet werden kann. Wenn du darauf reduziert bist, dein Motiv nur mit Schwarz und Weiß darstellen zu können, entwickelst du ein Vorstellung für Licht und Schatten. Über die Zeit lernst du deine eigene Art und Weise, diese zu nutzen, um mit Licht und Schatten zu spielen.


Es geht darum, aus den beiden Extremen ein harmonisches Miteinander zu erzeugen, so dass nicht das eine oder andere überwiegt. Am Ende entsteht ein Bild, das trotz seiner Einfachheit, oder gerade deswegen, etwas Intensives ausdrückt.



Probiere es selbst aus einen Holzschnitt zu machen

Du bist vielleicht mit dem Auftrag gekommen, dich zu informieren und die Frage "Was ist ein Holzschnitt" zu beantworten. Aber jetzt bist du nicht nur schlauer, sondern hoffentlich auch motiviert, diese Drucktechnik selbst auszuprobieren. Warum solltest du nicht?


Es verspricht so viel Positives. Jeder Mensch kann davon profitieren, sich in erster Linie mit sich selbst auseinanderzusetzen und den kreativen Prozess einzugehen, der mit der Anfertigung eines Holzdrucks eingegangen wird. Du wirst dir ein paar Stunden nehmen müssen, in denen du konzentriert an deinem Holzschnitt arbeitest. Ich habe für dich bereits eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erstellt, die dir zeigt, wie du einen Holzschnitt machen kannst.


Dafür bietet er dir aber eine willkommene Abwechslung und, falls du vorhattest das Handy weniger zu nutzen, eine perfekte Möglichkeit, deine gewonnene Freizeit kreativ zu nutzen.


Der Holzschnitt ist mehr als nur eine alte Drucktechnik. Er ist ein Weg, die Welt mit anderen Augen zu sehen und mit den eigenen Händen zu gestalten.



Die Vielfalt des Holzschnitts entdecken

Der Holzschnitt, wie ich ihn hier beschrieben habe, ist die westliche Sichtweise auf diese Kunstform. Daneben gibt es noch den japanischen Holzschnitt. In einem Beitrag beschreibe ich, worin er sich unterscheidet und wie er die westliche Kunst gegen Ende des 19. Jahrhunderts revolutionierte. 


Hier kannst du meine eigenen Holzschnittarbeiten anschauen, falls du neugierig geworden bist.



Häufig gestellte Fragen zum Holzschnitt


Was ist ein Holzschnitt?

Ein Holzschnitt ist ein Druckverfahren, bei dem ein Motiv in die Oberfläche eines Holzblocks geschnitzt wird und anschließend von diesem Holzblock auf Papier gedruckt wird. Im Prinzip ist es ein selbst geschnitzter Stempel, mit dem eine Abbildung immer wieder gedruckt werden kann.


Wie funktioniert Holzschnitt?

Um einen Holzschnitt zu erstellen, wird ein Holzblock (Druckstock) mit scharfen Werkzeugen wie Schneidemessern, Stemmeisen oder Hohlbeiteln bearbeitet. Das abgetragene Holz wird beim Drucken nicht mitgedruckt - an diesen Stellen bleibt das Papier weiß. Das Motiv setzt sich nur aus dem Schwarz der Druckfarbe und dem Weiß des Papiers zusammen.


Welche Werkzeuge braucht man für Holzschnitt?

Für den Holzschnitt werden scharfe Werkzeuge benötigt: Schneidemesser, Stemmeisen, Hohlbeitel oder andere Bildhauerwerkzeuge, um das Motiv in den Holzblock zu schnitzen.


Woher stammt der Holzschnitt ursprünglich?

Die Grundidee des Druckens mit Holz entstand in China. Nach Europa gelangte die Technik um 1400 und wurde zunächst in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden für Buchillustrationen eingesetzt.


Wer sind die bekanntesten Holzschnitt-Künstler?

Historisch ist Albrecht Dürer (1471-1528) der berühmteste Holzschnitt-Künstler, der etwa 246 Holzschnitte schuf. Während des Expressionismus revolutionierten Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Franz Marc, Wilhelm Morgner und Käthe Kollwitz die Technik.


Warum war der Holzschnitt so wichtig für die Kunst?

Der Holzschnitt ermöglichte es erstmals, Kunst der allgemeinen Bevölkerung zugänglich zu machen. Da die Motive häufig gedruckt werden konnten, waren sie günstig und weit verbreitet - im Gegensatz zu teuren Gemälden.


Was macht Holzschnitt in der Gegenwart besonders?

Der Holzschnitt bietet drei besondere Qualitäten: Entschleunigung, Handwerk und Einzigartigkeit. Jeder Druck trägt individuelle Spuren des Holzes und der Hand des Künstlers. Die radikale Reduktion auf Schwarz und Weiß wirkt als kraftvoller Gegenpol zur digitalen Bilderflut.


Ist jeder Holzschnitt-Druck identisch?

Nein, auch wenn das Motiv dasselbe ist, unterscheidet sich jeder Druck voneinander. Er ist abhängig von der Farbmenge, der gleichmäßigen Benetzung des Druckstocks und dem Kraftaufwand beim Drucken - so wird jeder Druck einzigartig.


Gibt es verschiedene Arten von Holzschnitt?

Ja, es gibt verschiedene Traditionen. Neben dem westlichen Holzschnitt, wie er hier beschrieben wird, existiert auch der japanische Holzschnitt, der die westliche Kunst gegen Ende des 19. Jahrhunderts revolutionierte.

 
 
 

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